Eine Frage der Chemie von Bonnie Garmus ist unser Buchclub-Buch für den Monat Juni.

In diesem Beitrag sammle ich Gedanken zum Roman, zentrale Themen und Gesprächsfragen für unsere Leserunde.

Wissenswertes zu Eine Frage der Chemie:

Titel: Eine Frage der Chemie ... ja gut, was habt ihr euch denken können, oder? 🙂

Autorin/Autor: Bonnie Garmus

Genre: Historischer Roman mit feministischem Bezug

Seitenzahl: 464 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Verlag/Erscheinungsjahr: 31.03.2022

Worum handelt Eine Frage der Chemie?

Eine Frage der Chemie erzählt die Geschichte der Chemikerin Elizabeth Zott in den 1960er-Jahren in Amerika. Der Roman spiel in einer Zeit, in dem sich das Bild der Frau historisch für immer verändert. In dem Roman „Eine Frage der Chemie“ ist Elizabeth Zott eine der Frauen, die zu dieser Veränderung beiträgt. Leider tatsächlich nur fiktiv. Elizabeth Zott ist das Kaliber Frau, von dem man zu dieser Zeit eindeutig mehr hätte haben wollen.

Nachdem Elizabeth aufgrund der äußeren Umstände nicht mehr als Chemikerin arbeiten kann, übernimmt sie die Moderation der Fernsehsendung „Essen um sechs“. Was eine Kochsendung mit Sexappeal sein soll, wird durch Elizabeths stolze und standhafte Art eine Übung in Chemie und damit eine Inspiration für Millionen Frauen zu Hause vor dem Fernsehen.

Die Geschichte begleitet nicht den Wandel des Frauenbildes der Zeit, sondern Elizabeth Zott auf ihrem Weg, ihren Traum zu verfolgen: als Frau in einem Bereich wahrgenommen zu werden, in dem Männer die Vorherrschaft haben. Und natürlich: sich dabei nicht unterkriegen zu lassen.

Stimmung und Themen

Triggerwarnung: In dem Buch geht es stellenweise um körperlichen Missbrauch sowie um Gewalt. Anzumerken ist, dass die Autorin diese Stellen nicht besonders ausschmückt. Sie passieren. Bonnie Garmus macht mit diesen Szenen klar, welche Rechte Frauen in solchen Angelegenheiten hatten: nämlich sehr oft einfach gar keine.

Diese Vorfälle gehen nicht unbemerkt an Elizabeth Zott vorbei. Bonnie Garmus’ Art, diese Vorfälle zu beschreiben, empfinde ich als gleichermaßen subtil und schlagkräftig.

Es ist eine Geschichte, wie sie im echten Leben manchmal einfach vorkommen kann. Dinge fügen sich zusammen, Schmerz hat irgendwann einen Grund und Fehler werden gemacht, um daraus zu lernen.

Eine Life-Story voller nahbarer Charaktere, nachvollziehbarer Anti-Sympathisanten und, vergessen wir nicht den wundervollen „Halb-Sieben“: Nicht nur ein Hund, sondern ein wichtiges Mitglied der Familie.

Trotz der schwerwiegenden Hürden, mit denen die gute Elizabeth konfrontiert wird, ist der Ton doch auch humorvoll und aus dem Leben gegriffen. Ganz ehrlich, Muttis: Wer kann das kurze Schläfchen auf dem Küchenfußboden nicht nachvollziehen?

Wir vergeben daher einstimmig: Ein Leben, in das wir gerne hinein geschnuppert haben.

Unsere Fragen & Gedanken zum Buch
Achtung: enthält ggf. Spoiler zum Buch.

Hatte Elizabeth eine Form von Autismus?
Diese Frage hat uns beschäftigt. Bonnie Garmus schreibt es nicht aus, aber die Art und Weise, wie Elizabeth auf soziale Strukturen reagiert und wie sie ihre Prioritäten setzt, haben uns vermuten lassen, dass sie entweder hochbegabt ist oder eine Form von Autismus hat.

Welche Verantwortung hat man in einer Situation, die so viele Menschen bewegt?
Elizabeth hat mit ihrer Kochsendung „Essen um sechs“ Frauen in ganz Amerika inspiriert, gestärkt und Einfluss auf sie genommen. Die Entscheidung, die sie im späteren Verlauf des Buches getroffen hat, hat uns darüber nachdenken lassen, wie groß eine Verantwortung wie diese gegenüber dem eigenen Traum zu werten ist.

Mutterliebe vs. Lebenstraum

Auf einmal ist da ein Kind, um das man sich kümmern muss. Auf einmal ist man überfordert. Auf einmal muss man Entscheidungen treffen, die nicht vom Gefühl, sondern rein vom Kopf getroffen werden müssen. Das stellt auch eine Frau auf die Probe, die gewohnt ist, Entscheidungen logisch zu treffen. Elizabeth Zott ist keine Frau der rührenden Worte gewesen. Aber die schlichte Art, wie sie ihre Liebe jeden Tag aufs Neue ausdrückt und ihrer Tochter in die Welt mitgibt, ist ähnlich sensibel wie der HB-Bleistift, der ein ganz eigenes Symbol in Elziabeths Welt wahrnimmt.

Wie viele Wörter kann ein Hund wirklich lernen? 

Das haben wir nicht groß ausdiskutiert, aber Halbsieben musste hier noch einmal einen Platz finden 😉

Wie finden wir das Ende von Eine Frage der Chemie?
Zum Ende gab es in unserer Runde verschiedene Ansichten. Ich persönlich habe das Ende als zu flach, zu schnell und zu einfach empfunden. Andere wiederum sehen in dem Ende eine Gerechtigkeit, die endlich eingetroffen ist. Einer sieht darin die Erfüllung des Feminismus. Es ist, wie es manchmal so ist: Jeder von uns interpretiert das Ende ein wenig anders.

Fazit

Während die weiblichen Mitglieder unserer kleinen Runde mit einer gewissen Wut, aber auch mit Klarheit die Ungerechtigkeit aufgenommen haben, waren die männlichen Perspektiven dazu spannend.

Das Problem, dass Männer die Ungerechtigkeit und Übergriffigkeit, die Frauen im Alltag erleben, nicht als solche wahrnehmen, war und ist immer noch ein Problem, bei dem Aufklärung nach wie vor eine hohe Relevanz haben muss.

Mein persönlicher Abschlusssatz zu diesem gleichermaßen wohltuenden und beeindruckenden Erstlingswerk von Bonnie Garmus:

Wenn Frauen aufhören zu träumen und anfangen zu machen, sollte Mann bereit sein für Veränderung.

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